Sich nach einer Krise wieder erholen – Schritt für Schritt

Sich nach einer Krise wieder erholen: Willst du von deiner Sucht nach Pornografie, von psychischen Problemen, einem früheren Trauma oder anderen Problemen genesen? Dieser Artikel kann dir helfen, durch Christus Heilung zu finden.

„Ich war im Handumdrehen geheilt!“

„Nie wieder wurde ich durch Pornografie in Versuchung geführt!“

„Meine Depressionen sind wie weggeblasen. Ich bin nicht einmal mehr traurig!“

Klingen diese Aussagen nicht ein bisschen zu schön, um wahr zu sein?

Wir alle kennen ähnliche Geschichten mit einem Happy End. Da geht es immer um jemanden, der mit großen Schwierigkeiten ringt und sich dann in einem glorreichen Kraftakt über seine Versuchungen, Schwächen oder Bedrängnisse erhebt und vollständig heil wird.

Solche Berichte können uns zweifelsohne beflügeln und mit der Hoffnung erfüllen, dass auch wir die Schwierigkeiten, mit denen wir uns abmühen, ein für alle Mal hinter uns lassen können. Oftmals schleichen sich aber auch andere Gedanken bei uns ein, zum Beispiel:

  1. „Warum plage ich mich immer noch so sehr, wo ich doch schon so viel getan habe, um darüber hinwegzukommen?“
  2. „Ich tue mein Bestes, mich dem Erretter zuzuwenden, aber dem, der mich so sehr verletzt hat, kann ich immer noch nicht vergeben.“
  3. „So wie es gerade aussieht, werde ich diesen Kampf wohl nie gewinnen.“

Unser Verstand versucht, es uns auszureden, doch die Wahrheit ist: Wir alle können geheilt werden. Das ist die Verheißung, die uns der Erretter schenkt. Vielleicht erholen wir uns nicht im Handumdrehen – ehrlich gesagt, ist das auch äußerst unwahrscheinlich –, aber mit aufrichtigem Bemühen und der Hilfe des Herrn ist vollständige Heilung möglich. Hier sind ein paar Tipps, wie du dich Schritt für Schritt um die Heilkraft des Herrn bemühen kannst.

Der Heilungsprozess ist wie eine Reise

Auf dem Weg zur Heilung müssen wir als Erstes erkennen, dass es hier um eine Entwicklung geht. Deshalb gilt es, einige Fakten zu dieser „Reise“ zu beachten:

  1. Wenn wir uns bei der Krisenbewältigung dem Erretter zuwenden, kann er uns zu nützlichen Hilfsmitteln und zu Menschen führen, die uns zur Seite stehen, und er kann uns Kraft und Führung schenken. „Wenn der Erretter erkennt, dass Sie wirklich zu ihm emporstreben wollen, wenn er spürt, dass es Ihr innigster Herzenswunsch ist, seine Macht in Ihr Leben zu bringen, wird der Heilige Geist Sie führen und Sie werden genau wissen, was Sie tun sollen.“
  2. Fortschritt tritt nicht nach einem Tag oder binnen eines Monats ein, ja, manchmal nicht einmal über mehrere Jahre hinweg. Der Zeitplan für die Heilung ist bei jedem unterschiedlich.
  3. Ob es nun um schlechte Gewohnheiten, eine Sucht, psychische Probleme oder gar ein Trauma geht – denk daran, dass Heilung oftmals voraussetzt, dass wir tief in uns wurzelnde Denk- und Verhaltensmuster ändern. Das erfordert Zeit.
  4. Wir müssen oft erst lernen, die zugrunde liegenden Probleme wie ungesunde Denkmuster und belastende Gefühle zu erkennen, bevor wir unser eigentliches Problem angehen können.
  5. Der Heilungsprozess besteht aus vielen Höhen und Tiefen.

Wenn du entmutigt bist, mach dir bewusst, dass du nicht allein bist. Auch Nephi verlor zuweilen den Mut und gab einer Schwäche nach (2 Nephi 4). Nach dem Tod seines Vaters berichtete dieser Prophet mit unerschütterlichem Glauben davon, wie entmutigt er war, weil er sich mit Kummer, Trauer und Versuchungen abmühen musste. Letztendlich versicherte Nephi aber, dass er weitermachen und auf den Herrn vertrauen werde. Er wusste nämlich, dass dieser ihm helfen konnte, aus seinen Kämpfen letztlich siegreich hervorzugehen.

Aus Anstrengungen und rechtschaffenen Wünschen erwächst große Kraft

Wir rechnen oft nicht damit, dass es auf dem Weg zur Heilung nach einer Krise vielerlei Rückschläge, Höhen und Tiefen, Fehler und Schwierigkeiten gibt, die uns entmutigen oder uns ungeduldig werden lassen. Der Weg ist keine gerade Autobahn, auf der wir schon gleich nach dem Start einfach und mühelos unser Ziel erreichen. Das ist auch in Ordnung so. Denn durch Rückschläge lernen wir, uns mehr auf unseren Erretter zu verlassen.

Der Herr erwartet von uns nicht, dass wir alles sofort überwinden. Aber er erwartet schon, dass wir uns bemühen und den Wunsch haben, geheilt zu werden. Denn die wahren Wünsche unseres Herzens geben den Ausschlag bei der Frage, ob wir unsere Ziele erreichen und zu dem werden, der wir sein wollen. Der Herr arbeitet mit unseren Herzenswünschen. Der Prophet Russell M. Nelson sagte einmal: „Der Herr schätzt Anstrengung, denn Anstrengung erbringt einen Lohn, den es ohne sie nicht geben kann.“

Wenn du also immer noch mit Versuchungen ringst, immer noch in der Dunkelheit seelischer Probleme gefangen bist oder wegen vergangener psychischer Erschütterungen immer noch nächtelang wachliegst: Gib nicht auf! Bleib dran, bemühe dich weiter und halte am Glauben an Jesus Christus und an der Hoffnung auf ihn fest.

Wenn du es weiter ernsthaft versuchst, gehen die rechtschaffenen Wünsche deines Herzens eines Tages in Erfüllung, und du wirst das Wunder der Heilung erleben (Mosia 2:41).

Mitgefühl mit sich selbst

Es ist normal, dass wir im Laufe des Heilungsprozesses mit dem einen oder anderen zu ringen haben. Wir müssen an der Heilung arbeiten, aber wir müssen dabei auch verständnisvoll und geduldig mit uns selbst sein. Mit Selbstverachtung ist noch nie irgendjemand ans Ziel gekommen. Ganz gleich, auf welcher Stufe des Heilungsprozesses du dich gerade befindest: Sei freundlich zu dir selbst und denk daran, dass auch der Erretter immer Mitgefühl mit dir hat. Hier sind Möglichkeiten, wie du dieses Mitgefühl mit dir selbst üben kannst:

  1. Mach dir bewusst, dass die Heilung oft viel Zeit und Mühe in Anspruch nimmt.
  2. Bedenke, dass die Ursache vieler Probleme bereits in der Kindheit liegt, weil Bedürfnisse unerfüllt blieben oder falsche Bewältigungsstrategien erlernt wurden. Da dauert es länger, umzulernen.
  3. Lobe dich dafür, dass du dabei bist, dich zu ändern, auch wenn du dabei Rückschläge erlebst. Denk daran, dass dir deine Herzenswünsche helfen, zu einer dauerhaften Veränderung zu gelangen.
  4. Konzentriere dich auf deine Fortschritte. Freu dich darüber, wie weit du gekommen bist. (Überleg dir vielleicht eine Methode, wie du deine Fortschritte sichtbar machen kannst.)
  5. Geh mit dir selbst so um, wie du es mit einem anderen tun würdest, den du liebhast und der sich um Heilung bemüht.
  6. Überlege, was du bereits gelernt hast und inwiefern deine Schwierigkeiten dazu beitragen, dass du geistig wächst. Der Vater im Himmel kann auch große Probleme in Erfahrungen verwandeln, die uns zum Guten dienen (Lehre und Bündnisse 122:7).
  7. Vertrau dich jemandem an, der dich gern hat und dich auf deinem Weg zur Heilung unterstützt. Achte aber immer darauf, dass keine Grenzen überschritten werden, und bitte den anderen, deine Privatsphäre zu wahren.
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Sowohl in der Praxis erprobte als auch geistige Hilfsmittel

Der Vater im Himmel und Jesus Christus sind immer bereit, uns zu helfen und uns durch den Heilungsprozess zu führen. Es gibt zahllose geistige Werkzeuge wie Gebet, Fasten, Schriftstudium und regelmäßigen Versammlungs- und Tempelbesuch, die einen starken, positiven Einfluss auf unsere Genesung haben können.

Darüber hinaus schenkt uns der Vater im Himmel auch praktische Hilfen zur Förderung der Heilung, und er möchte, dass wir davon Gebrauch machen. Elder Kyle S. McKay berichtete zum Beispiel einmal von einer drogenabhängigen Frau. Sie hatte zwar „die unmittelbare Güte Gottes“ erlebt, doch an ihrem Tiefpunkt brauchte sie auch Hilfe von anderen. Elder McKay erzählte: „Heilung und schließlich ihre Befreiung erforderten viel Zeit – monatelange Behandlung, Verhaltenstherapie und Beratung. In dieser Zeit wurde sie von der Güte Gottes aufrechterhalten und mitunter getragen.“

Heilung erfordert Anstrengung und geeignetes Rüstzeug. Ärzte, Psychologen, Therapeuten, Medikamente und Selbsthilfegruppen können wunderbar unterstützend sein.

„Suchen Sie Rat bei anerkannten Fachleuten mit entsprechender Ausbildung, hohem Können und positiven Wertvorstellungen. … Unser Vater im Himmel erwartet von uns, dass wir uns alle wunderbaren Gaben zunutze machen, die er uns in dieser herrlichen Evangeliumszeit gegeben hat.“

Jeffery R. Holland

Denk an die heilende Macht Jesu Christi

Wo auch immer wir uns auf unserem Weg zur Heilung befinden, sollten wir uns immer dessen bewusst sein, dass wir alle dank Jesus Christus, unseres Erretters, und seines Sühnopfers vollständig geheilt werden können.

Wir reden oft über das Sühnopfer Jesu Christi, ohne wirklich zu wissen, wie wir an seinen heilenden Balsam gelangen können. Eigentlich ist das ganz einfach – und eine sehr persönliche Angelegenheit (1 Nephi 15:14). Wenn wir die geistigen Werkzeuge wie Gebet, Fasten und regelmäßigen Versammlungs- und Tempelbesuch nutzen, können wir auf individuelle Weise mit dem Erretter in Verbindung treten. Indem wir jeden Tag nach seinem Einfluss in unserem Leben Ausschau halten, merken wir ebenfalls, dass er an unserer Seite steht.

Wenn wir auf den Erretter zugehen, kann die Genesung Stufe um Stufe voranschreiten. Wir müssen aber auch bedenken, dass in diesem Erdenleben vielleicht nicht alle tiefen Verletzungen vollständig heilen werden. Aber die Gnade des Herrn kann uns tragen und aufrechterhalten, unsere Perspektive verändern und uns Kraft geben, weiterzumachen und trotz allem wahre Freude zu finden.

„Ich bezeuge: Wenn wir beständig danach streben, unsere Herausforderungen zu meistern, wird Gott uns mit der Gabe des Glaubens, dass wir geheilt werden und dass Wundertaten verrichtet werden, segnen. Er wird für uns das tun, was wir nicht selbst für uns tun können.“

Elder Ulisses Soares

„Alles wird … wiederhergestellt“ (Alma 11:44), und darum können auch wir eines Tages sagen: „Ich bin ganz und gar geheilt.“

Das wird ein herrlicher Tag sein!

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Redaktion des Liahonas

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